Freitag, 29. Januar 2010

Weihnachtsferien mal ganz anders!


Die Wiedersehensfreude mit Hanna in Mumbai war rieeeeeßig: Freudenschrei, Umarmung, Freudenschrei, Umarmung… Doch gerade erst in der suedindischen Großstadt angekommen, wurde keine Zeit verschwendet – es ging gleich los ans Set eines Bollywoodfilms. An der Seite des beruehmten Jungstars Shahid Kapoor(alle meine indischen Freunde kennen ihn) hatten wir unsere mehr oder weniger großen Auftritte. Als Touristen am Flughafen, wo die Szene spielte, liefen wir munter durchs Bild oder kauften uns im Hintergrund Snacks am Fake-Kiosk. Es war echt lustig, aber nach zahlreichen Wiederholungen schliefen wir seelig als wir um 5 Uhr morgens wieder ins Hostel zurueckkehrten…
Entsprechend gemuetlich gingen wir dann den naechsten Tag an. Als wir im Straßencafe im Suedviertel Colaba fruehstueckten kamen wir uns vor als waeren wir in Italien und nicht in Indien. Die Straßen waren sauber und von Baeumen gesaeumt und nach 5 minuetigem Schlendern an der Hafenpromenade stand man zwischen dem beruehmten Taj Hotel(26.11.08) und dem Gate of India. Als der Heilige Abend naeher rueckte ließen wir uns am Strand des Marine Drives nieder, sahen die Sonne vor der Skyline von Mumbai untergehen und fuehlten uns wie in New York. Nach leckerem indischen Weihnachtsessen gings in einen weihnachtlich geschmueckten Club zum tanzen.
In den weiteren 3 Tagen sahen wir mehr von Mumbai, fuhren nach Elephant Island , shoppten und sangen bei den Hindisongs im Club mit.
Am 27.12 gings dann schon mit dem Zug weiter suedlich nach Pune. Von Pune sahen wir leider nicht so viel und ohne das viel betonte Nachtleben dort auszuchecken gings am naechsten Tag schon weiter in der Sleepersclass nach Goa.
Frueh morgens kamen wir an und verbrachten die meißte Zeit in einer gechillten Strandbar. Auf dem Mittwochsmarkt konnte man den Hippiflair deutlich spueren, da wir verzweifelt nach „normalen“ Klamotten suchten ;) Am Silvesterabend landeten wir auf einer verrueckten Rave-Techno-Party wo der DJ nicht auf Raeucherstaebchen neben seinem Pult verzichten konnte. Nach einer Weile crazy tenzen rutschten wir wohlbehalten ins neue Jahr und starteten es mit chillen am Beach. Auch ein Bollywoodfilm im Kino, Skydiving und ein Casinobesuch(leider ohne nennenswerte Gewinne) fehlten nicht. Nach 5 Tagen zog es uns weiter suedlich an einen idylischeren Strand. In unserem kleinen Guesthouse fuehlten wir uns gleich zuhause. Wir halfen der Besitzerin Babynamen auszusuchen und chillten abends mit den Staff-Leuten. Obwohl eigentlich geplant war noch weiter in den Sueden zu reisen, blieben wir eine ganze Woche, da wir uns so wohl fuehlten. Wir genossen die Tage am Strand und wurden beispielsweise um die Erfahrung einer Headphoneparty(jeder tanzt mit Kopfhoerer, sonst ist es still) reicher.
Am 9.1.10 ging es fuer mich dann nach Hyderabad zum Zwischenseminar, wo ich total erholt vom Urlaub alle anderen Volunteers wiedertraf. Wir hatten auch dort eine super Woche! Finally zog es mich aber auch wieder nach Hause in meine Großstadt, wo ich mich sofort in den positiven Arbeitsstress des National Youth Festivals stuerzte…

Dienstag, 22. Dezember 2009

Froehliche Weihnachten!



Hinter diesen froehlichen ("Juhu wir haben Ferien!") Schuelern koennt ihr meine Weihnachtsbastel-creation bewundern ;)
Mir geht es wirklich super hier, ich bin echt froh, dass ich 1 ganzes Jahr hier bleibe und nicht nur ein halbes, denn ich hab mich jetzt total eingelebt!
Zwischen der Arbeit, dem Sporttag an der Schule, der abgesagten Hochzeit meiner Gastschwester, Ausgehen mit Freunden und vorallem auf Grund des sonnigen Wetters mit seinen milden Temperaturen(nie unter 20Grad), faellt es mir schwer zu glauben, dass uebermorgen schon Weihnachten ist!
Ich bin gespannt auf mein indisches Weihnachten, denn es beginnt mit einer Reise! Morgen treffe ich mich mit Hanna in Mumbai um gemeinsam Weihnachten und spaeter Neujahr (in Goa!) zu feiern. Ich freu mich schon sooooo!
Aber bevor es losgeht, wuensche ich euch friedliche, freudige, besinnliche, weisse, froehliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Freitag, 18. Dezember 2009

"Landei" im Grossstadtdschungel



Am 5.12 und 6.12 durfte ich mich gluecklich schaetzen meine ersten beiden Urlaubsgaeste aus Vizag hier bei mir in Kalkutta begruessen zu duerfen. Was sie zu berichten haben, koennt ihr im folgenden Interview lesen.



Mr. Momo and Mrs. Vini, which where your first Impressions at Howrath Station?

Well, Ich muss zugeben, uns ist “at Howrath Station” ersteinmal die Kinnlade heruntergefallen:
Obwohl mein Freund Vinayak aus Mumbai kommt und Ich in einem Staedchen an der Suedostkueste lebend, einiges gewoehnt sind, war die kolkatanische Bahnhofskultur mehr als ueberwaeltigend. Irgendwie hat mich alles so sehr an das Mittelalter erinnert: Traeger, gehetzt von geldgierigen Haendlern, balancieren die unmoeglichsten, sperrigsten Dinge auf dem Kopf, von ueberall dringt Geschrei her, damit Essensverkaeufer und Tageloehner mit ihrer Wahre beim unertraeglichen Gequietsche ankommender Zuege noch genug Aufmerksamkeit erhaschen koennen und Menschen verrichten ihr Geschaeft so gut wie inmitten auf der Strasse .


Whats different? Most impressing? Do you, as a person who lives in a town called Vishakapatnam, consider yourself as a Landei?

Kalkutta ist extremer in allen Bereichen. Zum Beispiel in meiner Stadt, Vishakapatnam, wird es kaum Maedchen und Frauen geben, die Jeans tragen oder gar geschminkt sind.
In Kalkutta blueht das Nightlife und die Gosse. Man kann viel gewinnen und auch verlieren. Langweile kommt bei der Dichte verschiedener Menschen und Kulturen keinesfalls auf.
Beim Betrachten alter Gebauede erhascht man einen Hauch vom altem Glanz und Prunk der Hauptstadt Kalkuttas zu Zeiten der Kolonialherrschaft. Aehnlich wie die alten Sowjethochburgen sieht man sich mit etwas Vorstellungskraft schnell in einer mythisch maerchenhaften Welt von laengst vergangenen Epochen. Toll!
Andererseits, im Vergleich zum idyllischen Sagar Nagar, hat Kalkutta ein riessiges Problem: Wasser- und Luftverschmutzung. Dass man in Riessenmotropolen oftmals die Sonne nicht mehr sieht und alles, jeder achsoerquickender Farbton, von einem smokigen Grau getilgt wird, ist mir, seitdem ich in Mexico gelebt habe, nichts Neues mehr. Aber hinzu kommt auch noch das Abwasserproblem mit der die Hauptstadt West Bengalens kaempft:
Ueberall steht die Bruehe. Wenn es regent werden Teile der Stadt in einen Sumpf verwandelt. Einer dieser Teile ist garantiert das Elendsviertel hinter dem Bahnhof, das wir sahen. Alles war von einem schmutzigen Braun und Graufilm ueberzogen, man sah Menschen sich schinden.
Und faehrt man in der Fahrradtrickshaw ein paar Strassen weiter findet man sich him lebendigsten, vor Leben nur so jauchzenden, farbenpraechtigen Marktgeschehen wieder,
einfach Unglaublich!


What did you liked best?
Unser ausgelassener Abend auf dem Schuldach. Vinayak gab seine romantischen, selbstgedichteten Schlager zum Besten, es wurden Tipps und Tricks ausgetauscht, um die kleinen Monster besser an sich zu bannen und riessen Erdnussscheiben, die eindeutig zur Lokalspezialitaet gehoeren, geknabbert.

On the whole?
Suuuuuuuuper, war eine verrueckte, wunderschoene, erschlagende, ereignissreiche und leider allzukurze Zeit. Kalkutta wartet auf uns!

Mr. Momo, Mrs. Vini, I thank you for your interview.

Montag, 30. November 2009

Verordneter Extraurlaub


Mit dem 1.November stand auch gleichzeitig mein erster Urlaub vor der Tür. Doch nicht nur das… Meine Vorfreude war rieeeßig, denn Mama und Papa kamen angereist um mich zu besuchen! Ab der ersten Sekunde in der wir uns in Delhi wiedertrafen, fühlte es sich so an als wäre ich niemals weggewesen. Das war echt ein super Gefühl!
Ursprünglich war geplant gewesen, dass Mama&Papa von Delhi aus 10 Tage durch Rajastan reisen um dann noch eine knappe Woche bei mir in Kalkutta zu verbringen. Aber in Indien kommt alles anders als man denkt… Der indische Zufall wollte es, dass mein Gastvater, Mr. Mukerji, ein Meeting in Delhi hatte, zur gleichen Zeit zu der meine Eltern ankamen. Kurzerhand nahm er mich mit und meinte ich solle doch unbedingt mit meinen Eltern mitreisen, so bekäme ich die Gelegenheit mehr von Indien zu sehen. Es waren zwar keine Schulferien, aber was mein „Chef“ anordnet, wird natürlich befolgt! So kam ich unverhofft zu diesem Extra-urlaub J
Obwohl wir ja jeden Tag in der Wüste wohnen, gings nach ein paar Tagen in Indiens Hauptstadt Delhi(die uns allen nicht ganz so gut gefiel wie Kalkutta) ab nach Manva in ein echtes Wüstencamp. Soweit einen die Füße tragen, kann man dort barfuß durch den Wüstensand stapfen. Es sei denn man reitet auf einem Kamel! Mama war etwas skeptisch, aber Papa und ich konnten uns diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen lassen und so schaukelten wir auf den Kamelen durch die Dünen. Ich kann diese Art von Fortbewegungsmittel nur weiterempfehlen, Seekranken würde ich aber eher abraten… Unsere Tour führte uns weiter nach Jodpur, Udaipur und Jaipur. Neben den eindruchsvollen Palästen der Maharajas, Forts oder Tempeln dort sind uns so manche Kusriositäten begegnet… Völlig unverständlicherweise schlug Papa das Angebot des „weltbesten“ Ohrenputzers ab, wir streiften durch eine Art Abstellkammer mit dem Namen „Indian Museum“ und ich traf einen Priester mit eigener Emailadresse ;)
Am letzten Tag unserer Rundreise standen wir dann frühmorgens zum Sonnenaufgang vorm Taj Mahal. Die Sonne lies sich zwar nicht blicken, aber das nahm der Schönheit des wundervollen Bauwerkes nichts. Tausendmal auf Fotos gesehen, war es toll einmal selber davor zu stehen! Natürlich haben wir auch einige Beweisfotos geschossen, bevor wir ins Auto stiegen um zurück nach Delhi zu fahren und von dort aus nach Kalkutta zu fliegen.
Kalkutta, meine neue, lebhafte Heimatstadt an den Ufern des Gangesablegers Hugli, konnte in nur 4 Tagen die Herzen meiner Eltern erobern und beruhigt über mein hießiges Verbleiben flogen Mama&Papa nach dieser tollen Zeit wieder ins kalte Deutschland…

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Busfahren auf indisch


Mein Hauptfortbewegungsmittel neben der Autoriksha ist hier in Kalkutta der Bus. Doch das Busfahren ist hier nicht wie in Deutschland! Es ist anders, nun ja irgendwie… indisch.
Die zahlreichen, meist alten, roten, blauen, gelben oder weissen Busse fuellen die Strassen der Stadt nicht nur mit ihrer Masse sondern auch mit ihrem Laerm. Englische oder bengalische Schriftzeichen schmucken sie und verkuenden ihre Route. Sie halten teils an angezeigten Bushaltestellen, teils an inoffiziellen Stellen, wo sich Menschentrauben angesammelt haben. Manchmal auch nur so kurz, dass man beinahe aufspringen muss um noch mitfahren zu koennen!
Damit ich als verwirrte Fremde, die nicht die geringste Ahnung von diesem riessigen und (fuer mich) verwirrenden Bussystem mit seinen Nummern und Routen hat, am Ziel ankomme gibt es die „Bushelfer“. Man kann sie sich aehnlich wie Marktschreier vorstellen. Doch anstatt ihre Waren anzupreisen rattern sie in einem atemberaubenden Tempo die wichtigsten Haltestellen herunter. Leider sogar fuer manchen Inder unverstaendlich, doch das ist kein Grund zu verzagen! Ich brauche nur einige Zeit an einer Bushaltestelle zu stehen und geduldig die vorbeikommenden Busse nach meiner Wunschhaltestelle zu fragen und schon habe ich den richtigen Bus gefunden. Vorausgesetzt es gibt einen Bus von meinem Standpunkt aus zur Wunschhaltestelle…
Doch ich muss wirklich betonen, die Kalkuttaner sind sehr hilfsbereite Menschen. Sie helfen mir den richtigen Bus zu finden und ich wurde auch schon persoenlich zur richtigen Bushaltestelle begleitet. Somit macht das Busfahren eigentlich fast schon Spaß. Dieser Spaß hoert aber leider auf wenn der Bus zu voll wird. Dann wird’s richtig ungemuetlich. Man muss versuchen im Gedraenge irgendwo Halt zu finden, damit man bei der Fahrt durch die teilweise unebenen Straßen nicht sonstwohin faellt.
Zurueck zu den „Bushelfern“. Sie rattern nicht nur die angefahrenen Stationen herunter, sie leisten auch richtige Kopfarbeit. Jeder Passagier der neu zusteigt wird in ihrem Gedaechtnis „abgespeichert“ um ihn spaeter nicht ohne ein bezahltes Busticket ziehen zu lassen. Wenn ich nicht weiß wann wir an meiner Wunschstation angekommen sind, kann ich sie auch bitten mir Bescheid zu sagen, was auch immer gut klappt.
In manchen Bussen sitzen Maenner und Frauen getrennt. Ist die Maennerseite besetzt, die Frauenseite aber noch frei, darf ein Mann aber auch mal dort sitzen. Kommt jedoch eine sitzplatzsuchende Frau hinzu, muss er seinen Platz raeumen.
Meiner Meinung nach hat man wirklich etwas verpasst, wenn man in Indien war ohne Bus zufahren!

Wichtiger Nachtrag!

Mir ist heute aufgefallen, dass ich mit meinen gefuehlten 60 Kindern gar nicht so falsch lag. Ich habe die Klassengroesse gehoerig unterschaetzt! In der 1.Klasse sind es naemlich 48 Kinder und in KG1 sogar 53 ! Das muss man sich mal vorstellen…

Montag, 26. Oktober 2009

Mein Arbeitsleben

Ja nun hat das richtige Arbeitsleben fuer mich begonnen. Seit ich von der Villageschool zurueck bin, arbeite ich hier in der Young Horizons School in der ich auch wohne. Morgens von 8 Uhr bis halb 2 wird bis Klasse 6 unterrichtet. Die aelteren Schueler bis Klasse 10 kommen erst um 9 Uhr 45, muessen dafuer aber bis 4 Uhr nachmittags bleiben. Die ganz kleinen Nursery- und Kindergarden-kids gehen ab halb 1 nach Hause.
Was viele von euch wohl verwundern wird (außer vielleicht diejenigen, die ihren Freiwilligendienst auch an einer indischen Schule leisten) ist, dass ich mir meine Arbeit sozusagen selbst „suchen“ musste. Ich bekam keinen Stundenplan oder eine bestimmte Klasse zugeteilt, sondern musste in meinen ersten Tagen von Lehrer zu Lehrer, zur Direktorin und wieder zurueck eilen um herauszufinden wo meine Hilfe gebraucht wird. Die Kunstlehrerin war sofort erfreut ueber eine helfende Hand und so kam es, dass ich nun woechentlich 10 Stunden Kunst in den verschiedensten Klassen mit ihr unterrichte. Im Moment laeuft es noch so, dass sie den Unterricht vorbereitet und ich bei der Durchfuehrung helfe. Das ist auch wirklich noetig, denn in manchen Klassen sind einfach 35- 40 kleine Kinder(gefuehlte 60 Kinder) die Handabdruecke oder Blattstempel machen oder Marmorieren wollen. In der Adventszeit habe ich mir vorgenommen mit manchen Klassen Weihnachtskarten, Hexenhaeuser und Aehnliches zu basteln.
Da ich auch schon zuhause Englisch-Nachhilfe gegeben hatte, schlug ich auch hier den Lehrern vor, ihren „schwaecheren“ Schuelern Englisch-Stuetz-Unterricht zu geben. Eine willkommene Idee, schwierig war es nur Zeit in den vollen Stundenplaenen zu finden! Doch die wirklich sehr nette Englischlehrerin der dritten und vierten Klasse, Theresa, verhalf mir zu 4 freien Stunden fuer Stuetzunterricht in ihren Klassen. Diese Woche habe ich also damit begonnen mich um die schwaecheren Schueler zu kuemmern und hier merke ich auch wirklich, dass meine Hilfe gebraucht wird. Es ist einfach nicht leicht bei Klassen von solcher Groeße (35-40 Schueler) darauf zu achten, dass alle mitkommen und trotzdem keiner unterfordert ist. Einige Schueler sind auch schuechtern oder brauchen viel Zeit um zB. Einen Satz zu formulieren. Ich bin froh, dass ich ihnen in den Extrastunden diese Zeit geben kann, denn wenn man Geduld mit ihnen hat, kann man auch kleine Erfolge sehen.
Diesen Stuetzunterricht werde ich auch auf die Klassen 5-7 ausweiten. Mit der gesamten 7.Klasse hatte ich auch schon das Vergnuegen, da die Klassenlehrerin meinte „Ach, die sind alle schlecht. Du musst die ganze Klasse unterrichten.“ Somit stehe ich nun jeden Donnerstagmittag bis um 3 vor diesem Haufen pubertierender Teenager. Ich dachte, es waere einfach Ruhe und Aufmerksamkeit von diesen ja doch schon aelteren Schuelern zu bekommen – aber denkste! Es ist leider nicht ganz so einfach sich Respekt bei teilweise hoehentechnisch groeßeren Schuelern zu verschaffen… Doch ich hoffe bald einen Trick zu finden wie ich alle fuer die englischen Zeiten begeistern kann!
Auch zur „Communicative English class“ geht’s fuer mich jeden Mittwoch. Hier werden Klasse 5 und 6 von einem „etwas speziellen“ Lehrer (wegen dem ich mir in der ersten Stunde echt das Lachen verkneifen musste) in englischer Konversation unterrichtet. Mit diesem Lehrer muss ich wohl noch ausloten wie meine Rolle hierbei aussehen wird. In der letzten Stunde wollte er mich einfach mir nichts dir nichts benoten lassen, was ich aber vorerst dankend ablehnte ;)
Ein weiteres mir zugeteiltes Fach ist das Storytelling, das Geschichten-Erzaehlen, in Klasse 2. Jeden Donnerstag und Freitag in der letzten Stunde komme ich vorbei und erzaehle den Kindern eine Geschichte. Selbstverstaendlich frei und auf englisch mit kleinen schauspielerischen Ausschmueckungen. Total suess haben sich die Kleinen nach der Stunde dann fuer die ersten Geschichten Haensel&Gretel sowie Rotkaeppchen bei mir bedankt. Doch manchmal werden aus diesen suessen Engelchen wahrhaftige kleine Teufelchen, die wild durcheinander schreien, nicht zuhoeren oder still sitzen koennen. Zur Strafe mussten sie dann auf das Ende ihrer Geschichte verzichten. Zum Glueck waren sie in der naechsten Stunde umso gespannter und ich konnte in Ruhe erzaehlen ;)
Auch im Kindergarten KG1 und KG2 soll ich insgesammt 4 Stunden pro Woche mit Storytelling oder Konversation fuellen. Eigentlich ist das ein bisschen unsinnig, da die Kinder wirklich sehr wenig Englisch koennen. Da ich aber ziemlich frei in der Unterrichtsgestaltung bin, bringe ich ihnen vorerst einmal Sing- und Klatschspiele sowie Reime bei. Wie der „Unterricht“ fuers ganze Jahr aussieht, muss ich noch sehen. Vorallem die Kinder aus KG1, sie sind ungefaehr 4 Jahre alt, sind meiner Meinung nach einfach noch zu sehr „Spielkind“, als dass sie in einem Klassenzimmer am Schreibtisch sitzen sollten… Aufgeweckt und ungeduldig wie sie sind koennen sie nicht still sitzen und veranstalten gerne ein rießen Chaos. Das ist auch fuer die Lehrerinnen nicht gerade leicht. Doch die Klassenlehrerin von KG1 ist manchmal wirklich streng und das hat mich auch ein bisschen geschockt. Dauernd haut sie ein Lineal auf den Tisch um zu Wort zukommen und wenn die Kinder ewig brauchen um zB. Einen Kreis zu bilden, werden sie schon mal unsanft herumgeschoben. Ein solcher Moment hat mich echt traurig gestimmt. Doch als ich kurz danach mein Lied angestimmt hab, konnte ich in laechelnde Gesichter blicken, was alles wieder wett gemacht hat.
Natuerlich kann ich das indische Erziehungssystem nicht aendern, aber koennte ich es wuerde ich die Kleinen in einen „Kindi“ wie in Deutschland schicken, mit Spielplatz draußen, Sandkasten, Rutsche und sie mit Baukloetzen oder Puppen spielen lassen, anstatt schon so frueh zu versuchen ihnen das Schreiben beizubringen.
Mein normaler Arbeitstag geht um 8 Uhr oder 8 Uhr 30 los, was mich immer wieder dazu bringt 10 Minuten davor hastig zum Fruehstueck zu rennen. Ich komme morgens leider eher schwer aus dem Bett und vertroedel meine Zeit viel zu oft beim Duschen(kalt!)… Der heiße Tee wird somit typisch indisch erst in die Untertasse gegossen, wo er schnell abkuehlt, und dann weggeschluerft. Heute morgen hab ich deswegen auch eine neue Bengalivokabel fuer „schnell“ gelernt und meine Gastmutter fuegte hinzu, dass dies das wichtigste Wort fuer Indien sei. Alles ginge immer zu gemuehtlich und wenn man etwas wirklich brauche muesse man dieses Wort beherrschen.
Mein Schultag endet dann gegen zwei Uhr (außer Donnerstags erst um 3Uhr) und es gibt erst mal Mittagessen, was mir immer schmeckt, da die liebe Koechin jetzt immer Ruti anstatt Reis fuer mich macht. Nachmittags habe ich dann frei, falls ich nichts fuer die Schule planen muss und so mache ich mich in diesen Tagen auf und erkunde die Stadt...