Montag, 19. April 2010

Neues Schuljahr - Neue Aufgaben



Das neue Schuljahr, welches im Maerz begann, brachte einen neuen Tagesablauf und neue Aufgaben mit sich… Frueh morgens um kurz nach 6 muss ich schon raus damit es um 7.30Uhr mit der Arbeit losgehen kann. Und zwar in der Nursery! In den ersten Wochen ging es hier ziemlich chaotisch zu, denn die kleinen 3jaehrigen (K)inder wurden zum ersten mal in ihrem Leben fuer einige Zeit von ihren Eltern getrennt. Das bedeutete Geschrei, Geheule, Weggerenne, Tritte, Umarmungen, Traenen, Traenen und nochmal Traenen. Nach diesen anstrengenden ersten Wochen, haben die Kleinen sich mittlerweile groesstenteils beruhigt und kommen gerne zur Schule. Zu Beginn des Unterrichts singen wir immer und machen Reime, danach wird schon ein bisschen Schreiben geuebt und spaeter tanzen wir oder lassen sie spielen und rumrennen. Sind die Kleinen weg, atmen wir erstmal durch und machen uns dann an die naechsten Unterrichtsvorbereitungen.
Nach der Teepause und einem Schwaetzchen mit den andern Lehrerinnen geht’s fuer mich weiter in den Kindergarten um mit den 4jaehrigen (einige sind auf dem Foto zu sehen) zu malen, zu lernen, zu erzaehlen, zu singen und zu spielen. Das macht Spaß ist aber auch echt teilweise richtig anstrengend, weil sie gegen Ende total unkonzentriert sind und es schwer ist ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen. Aber irgendwie klappt es schon immer! Auch die Sprachbarriere ist mittlerweile nur noch selten ein kleines Problem denn die wichtigsten Dinge kann ich auf Bengali verstehen und ausdruecken J
Doch wie so oft im Leben gibt es dann doch noch einen Hacken an der Sache… Mein Hacken heißt Library. Nachdem die Kinder heimgegangen sind, muss ich noch 1 oder 1,5 Stunden in der Buecherei mit staubigen Schulbuechern und einem Computer verbringen… Zu ueberpruefen ob alle Buecher in der Datei sind, sie einzutippen und zu sortieren ist echt ziemlich langweilig. Deshalb bin ich immer froh wenn es gegen 2 oder halb 3 Mittagessen gibt und meine Freizeit beginnt ;)

Montag, 22. März 2010

In einer anderen Welt...


Gleich nachdem ich von meiner „gazab safar“ (awesome journey, wunderbare Reise) nach Mysore (Kleinstadtidylle) und Delhi (Hauptstadtgetümmel) zurückkam, gings fuer mich mal wieder ins Village, in (m)eine andere Welt. Friedlich ist wirklich ein Wort um den Eindruck von dort zu beschreiben. Erst an einem Ort wie hier, realisiert man was fuer ein hektisches und sinnesüberflutendes Leben man in der Großstadt fuehrt… Gleichzeitig erkennt man auch was fuer unnötige Probleme wir uns teilweise erschaffen, da wir alles nötige, was wir zum täglichen Leben brauchen, schon haben… Die indischen Dorfbewohner leben ein anderes Leben: in Hütten statt Häusern, ohne Elektrizität aber in einer unglaublichen Gemeinschaft.
Bei diesem Villagebesuch bekam ich die Möglichkeit außerhalb der Schule die Villages zu erkunden, Familien zu besuchen, mit ihnen Tee zu trinken, Muli (Puffreis) zu essen und ein bisschen Bengali zu sprechen…
Unsere NGO, Young Men’s Welfare Society, hat im Januar nämlich begonnen kleine Kredite (2000-5000Rs) an einige Frauen zu vergeben, damit diese eine kleine Geschäftsidee verwirklichen, ihre Familien versorgen und unabhängiger werden können. Bei diesem Kredit werden keine Zinsen verlangt. Die Frauen kaufen davon zB. Schafe, Ziegen, Kühe sowie Waren für einen kleinen Kaufladen oder Materialien die sie zur Herstellung von Spielzeug oder dem Besticken von Sarees brauchen. Da wir dieses Projekt ausbauen wollen, sind wir in die Dörfer und haben mit den Frauen dort gesprochen. Einige haben Interesse und nun muss entschieden werden wie das vorhandene Geld fuer diese Kredite sinnvoll verteilt werden kann. Eine ziemlich anspruchsvolle Aufgabe, aber die Entscheidungen werden ja auch nicht von einem auf den anderen Tag gefaellt.
Somit war mein Aufenthalt in der Village sehr interessant und mir ist nocheinmal klar geworden was fuer ein Glück ich doch habe, eine so gute Bildung genossen zu haben und welche Möglichkeiten im Leben ich genieße, wie zum Beispiel fuer ein Jahr nach Indien zu kommen…

Mein kunterbuntes Holi-Debut


Was zuhause in Kalkutta am 28.2 gefeiert wurde, habe ich am 1.3 in Delhi gefeiert: HOLI !
Die Idee kam ziemlich spontan als ich mich mit einem meiner Freunde hier ueber Holi unterhalten habe. Gastfreundlich wie die Inder ja besonders sind, wurde ich gleich nach Delhi zur Familie eingeladen um mein erstes Holi, das Fest der Farben, gebuehrend zu feiern.
Gesagt getan!
Am Samstag morgen landete ich in Delhi und es ging gleich los auf den Markt um unsere Holi-Ausruestung zu kaufen. Dazu gehoerte gruener, roter, pinker, blauer, lilaner, oranger und gelber Farbpuder sowie kleine Farbtoepfchen die ganze Eimer voll Wasser einfaerben. Wasserspritzpistolen durften natuerlich keineswegs fehlen (wo bleibt sonst der Spaß?)
Am Sonntag war es so weit Holi das Fest der Farben hatte begonnen. Wir bewarfen uns mit Puder, beschuetteten uns mit Wasser, hatten Spaß und an gutem Essen fehlte es auch nicht!
Mehr muss ich glaube ich gar nicht erzaehlen sondern ich lasse das Bild sprechen ;)

Mittwoch, 3. Februar 2010

Ferienlager mit 350 Kids - das Youth Festival



Seit ich vor fast 3 Wochen vom Zwischenseminar heimgekommen bin, gab es viel zu tun! Vom 21.1 bis zum 27.1.2010 hatten wir ein rießiges Youth Festival organisiert. Die Vorbereitungen liefen schon seit einem Jahr! In letzter Zeit haeuften sich dann die Meetings und vorallem mein Gastvater war ziemlich im Stress und auch besorgt. Er hatte im Nachhinein gesehen aber wirklich keinen Grund dazu. Wir hatten eine super Zeit mit den ueber 350 indischen Jugendlichen aus 15 verschiedenen Staaten.
Die Idee war Kindern aus aermeren Verhaeltnissen, die nicht die Moeglichkeit fuer solch einen Urlaub haetten, diesen zu ermoeglichen und gleichzeitig all die verschiedenen Traditionen, Gebraeuche und Looks zu vereinen. „Where the Nation becomes one single nest“ (wo die Nation zu einem einzigen Nest wird) lautete das Motto. Die unterschiedlichen Kids (zwischen 10 und 20), die Lehrer und wir Volunteers lebten unter einem (Schul-)dach.
Die Tage waren voll von Programm, womit Langeweile gar nicht erst entstehen konnte! Jede Grupper von Jugendlichen hatte eine Performance einstudiert, welche in staatstypischer Kleidung zum Besten gegeben wurde. Es wurde gesungen, getrommelt, viel getanzt, geschauspielert und gefeiert. Jede Auffuehrung ließ einen in eine neue indische Kultur eintauchen. Es gab Bamboodance (ein Tanzen zwischen sich hebenden und senkenden Bambushoelzern), nordostindischen Kampftanz, rasanter Klimpertanz aus Gujerat, Sketche zum Thema Hochzeit oder Klimawandel, traditionelle Volkslieder und vieles mehr. Oefters dachte ich „wow das war der beste Auftritt“, doch schon kurz darauf musste ich meine Meinung aendern… Unglaublich beeindruckend war aber die Taubstummengruppe aus Mumbai, welche trotz ihrer Gehoerlosigkeit eine wahnsinnige Tanzperformance hinlegte. Sie mussten im Kopf alle Schritte mitzaehlen, sodass es auf den fuer uns hoerbaren Rhythmus passte…
Jeden Abend gab es auf der eigens neben der Schule errichteten Buehne oder Theatern der Stadt all dies zu bestaunen.
Doch die Kids mussten natuerlich auch Kalkutta kennenlernen! Also gings auf zur Citytour, zum Victoria Memorial und ins Planetarium. Es wurde mit der Metro gefahren, gebastelt, gemalt, gespielt, geklettert und Sport gemacht. Ein Besuch in einem kleinen Freizeitpark und die Parade am Republicday durften auch nicht fehlen. In der Freizeit die uns allen blieb gab es außer Stau vor den Duschen ;) natuerlich viel zu fragen, zu erzaehlen und zu essen. Neue Freundschaften entstanden und waehrend der ganzen Zeit kam mir meine Taetigkeit kein bisschen wie Arbeit vor. Es war echt traurig als alle abreisten und hier und da floß auch eine Traene…
Selbst ohne das Gefuehl von Arbeit war die Woche anstrengend gewesen (ich wurde von den 15 verrueckten Maedels in meinem Zimmer morgens um 6 geweckt usw.) und deshalb dauerte es zwei, drei Tage bis ich meinen Schlaf wieder aufgeholt hatte.
Abschließend kann ich nur sagen: „Das Youth Festival war ein voller Erfolg!“

Freitag, 29. Januar 2010

Weihnachtsferien mal ganz anders!


Die Wiedersehensfreude mit Hanna in Mumbai war rieeeeeßig: Freudenschrei, Umarmung, Freudenschrei, Umarmung… Doch gerade erst in der suedindischen Großstadt angekommen, wurde keine Zeit verschwendet – es ging gleich los ans Set eines Bollywoodfilms. An der Seite des beruehmten Jungstars Shahid Kapoor(alle meine indischen Freunde kennen ihn) hatten wir unsere mehr oder weniger großen Auftritte. Als Touristen am Flughafen, wo die Szene spielte, liefen wir munter durchs Bild oder kauften uns im Hintergrund Snacks am Fake-Kiosk. Es war echt lustig, aber nach zahlreichen Wiederholungen schliefen wir seelig als wir um 5 Uhr morgens wieder ins Hostel zurueckkehrten…
Entsprechend gemuetlich gingen wir dann den naechsten Tag an. Als wir im Straßencafe im Suedviertel Colaba fruehstueckten kamen wir uns vor als waeren wir in Italien und nicht in Indien. Die Straßen waren sauber und von Baeumen gesaeumt und nach 5 minuetigem Schlendern an der Hafenpromenade stand man zwischen dem beruehmten Taj Hotel(26.11.08) und dem Gate of India. Als der Heilige Abend naeher rueckte ließen wir uns am Strand des Marine Drives nieder, sahen die Sonne vor der Skyline von Mumbai untergehen und fuehlten uns wie in New York. Nach leckerem indischen Weihnachtsessen gings in einen weihnachtlich geschmueckten Club zum tanzen.
In den weiteren 3 Tagen sahen wir mehr von Mumbai, fuhren nach Elephant Island , shoppten und sangen bei den Hindisongs im Club mit.
Am 27.12 gings dann schon mit dem Zug weiter suedlich nach Pune. Von Pune sahen wir leider nicht so viel und ohne das viel betonte Nachtleben dort auszuchecken gings am naechsten Tag schon weiter in der Sleepersclass nach Goa.
Frueh morgens kamen wir an und verbrachten die meißte Zeit in einer gechillten Strandbar. Auf dem Mittwochsmarkt konnte man den Hippiflair deutlich spueren, da wir verzweifelt nach „normalen“ Klamotten suchten ;) Am Silvesterabend landeten wir auf einer verrueckten Rave-Techno-Party wo der DJ nicht auf Raeucherstaebchen neben seinem Pult verzichten konnte. Nach einer Weile crazy tenzen rutschten wir wohlbehalten ins neue Jahr und starteten es mit chillen am Beach. Auch ein Bollywoodfilm im Kino, Skydiving und ein Casinobesuch(leider ohne nennenswerte Gewinne) fehlten nicht. Nach 5 Tagen zog es uns weiter suedlich an einen idylischeren Strand. In unserem kleinen Guesthouse fuehlten wir uns gleich zuhause. Wir halfen der Besitzerin Babynamen auszusuchen und chillten abends mit den Staff-Leuten. Obwohl eigentlich geplant war noch weiter in den Sueden zu reisen, blieben wir eine ganze Woche, da wir uns so wohl fuehlten. Wir genossen die Tage am Strand und wurden beispielsweise um die Erfahrung einer Headphoneparty(jeder tanzt mit Kopfhoerer, sonst ist es still) reicher.
Am 9.1.10 ging es fuer mich dann nach Hyderabad zum Zwischenseminar, wo ich total erholt vom Urlaub alle anderen Volunteers wiedertraf. Wir hatten auch dort eine super Woche! Finally zog es mich aber auch wieder nach Hause in meine Großstadt, wo ich mich sofort in den positiven Arbeitsstress des National Youth Festivals stuerzte…

Dienstag, 22. Dezember 2009

Froehliche Weihnachten!



Hinter diesen froehlichen ("Juhu wir haben Ferien!") Schuelern koennt ihr meine Weihnachtsbastel-creation bewundern ;)
Mir geht es wirklich super hier, ich bin echt froh, dass ich 1 ganzes Jahr hier bleibe und nicht nur ein halbes, denn ich hab mich jetzt total eingelebt!
Zwischen der Arbeit, dem Sporttag an der Schule, der abgesagten Hochzeit meiner Gastschwester, Ausgehen mit Freunden und vorallem auf Grund des sonnigen Wetters mit seinen milden Temperaturen(nie unter 20Grad), faellt es mir schwer zu glauben, dass uebermorgen schon Weihnachten ist!
Ich bin gespannt auf mein indisches Weihnachten, denn es beginnt mit einer Reise! Morgen treffe ich mich mit Hanna in Mumbai um gemeinsam Weihnachten und spaeter Neujahr (in Goa!) zu feiern. Ich freu mich schon sooooo!
Aber bevor es losgeht, wuensche ich euch friedliche, freudige, besinnliche, weisse, froehliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Freitag, 18. Dezember 2009

"Landei" im Grossstadtdschungel



Am 5.12 und 6.12 durfte ich mich gluecklich schaetzen meine ersten beiden Urlaubsgaeste aus Vizag hier bei mir in Kalkutta begruessen zu duerfen. Was sie zu berichten haben, koennt ihr im folgenden Interview lesen.



Mr. Momo and Mrs. Vini, which where your first Impressions at Howrath Station?

Well, Ich muss zugeben, uns ist “at Howrath Station” ersteinmal die Kinnlade heruntergefallen:
Obwohl mein Freund Vinayak aus Mumbai kommt und Ich in einem Staedchen an der Suedostkueste lebend, einiges gewoehnt sind, war die kolkatanische Bahnhofskultur mehr als ueberwaeltigend. Irgendwie hat mich alles so sehr an das Mittelalter erinnert: Traeger, gehetzt von geldgierigen Haendlern, balancieren die unmoeglichsten, sperrigsten Dinge auf dem Kopf, von ueberall dringt Geschrei her, damit Essensverkaeufer und Tageloehner mit ihrer Wahre beim unertraeglichen Gequietsche ankommender Zuege noch genug Aufmerksamkeit erhaschen koennen und Menschen verrichten ihr Geschaeft so gut wie inmitten auf der Strasse .


Whats different? Most impressing? Do you, as a person who lives in a town called Vishakapatnam, consider yourself as a Landei?

Kalkutta ist extremer in allen Bereichen. Zum Beispiel in meiner Stadt, Vishakapatnam, wird es kaum Maedchen und Frauen geben, die Jeans tragen oder gar geschminkt sind.
In Kalkutta blueht das Nightlife und die Gosse. Man kann viel gewinnen und auch verlieren. Langweile kommt bei der Dichte verschiedener Menschen und Kulturen keinesfalls auf.
Beim Betrachten alter Gebauede erhascht man einen Hauch vom altem Glanz und Prunk der Hauptstadt Kalkuttas zu Zeiten der Kolonialherrschaft. Aehnlich wie die alten Sowjethochburgen sieht man sich mit etwas Vorstellungskraft schnell in einer mythisch maerchenhaften Welt von laengst vergangenen Epochen. Toll!
Andererseits, im Vergleich zum idyllischen Sagar Nagar, hat Kalkutta ein riessiges Problem: Wasser- und Luftverschmutzung. Dass man in Riessenmotropolen oftmals die Sonne nicht mehr sieht und alles, jeder achsoerquickender Farbton, von einem smokigen Grau getilgt wird, ist mir, seitdem ich in Mexico gelebt habe, nichts Neues mehr. Aber hinzu kommt auch noch das Abwasserproblem mit der die Hauptstadt West Bengalens kaempft:
Ueberall steht die Bruehe. Wenn es regent werden Teile der Stadt in einen Sumpf verwandelt. Einer dieser Teile ist garantiert das Elendsviertel hinter dem Bahnhof, das wir sahen. Alles war von einem schmutzigen Braun und Graufilm ueberzogen, man sah Menschen sich schinden.
Und faehrt man in der Fahrradtrickshaw ein paar Strassen weiter findet man sich him lebendigsten, vor Leben nur so jauchzenden, farbenpraechtigen Marktgeschehen wieder,
einfach Unglaublich!


What did you liked best?
Unser ausgelassener Abend auf dem Schuldach. Vinayak gab seine romantischen, selbstgedichteten Schlager zum Besten, es wurden Tipps und Tricks ausgetauscht, um die kleinen Monster besser an sich zu bannen und riessen Erdnussscheiben, die eindeutig zur Lokalspezialitaet gehoeren, geknabbert.

On the whole?
Suuuuuuuuper, war eine verrueckte, wunderschoene, erschlagende, ereignissreiche und leider allzukurze Zeit. Kalkutta wartet auf uns!

Mr. Momo, Mrs. Vini, I thank you for your interview.